Alboins Bergbesteigung – eine erste mittelalterliche Gipfeltour

Was die Menschen in prähistorischer Zeit bis ins Mittelalter hinein taten und dachten, wissen wir nicht. Wir können nur nachvollziehen, was aufgezeichnet ist. Und das ist wenig genug. Wir wissen nicht, wann sich der Mensch erstmals auf einen höheren Berg hinaufwagte. Aus den bis dato bekannten Funden und Aufzeichnungen lässt sich schließen, dass er hohe Berge lieber von Ferne als aus der Nähe betrachtete und als besondere, mythische oder – je nach Religion – heilige Orte verehrte. Das heute in westlichen Kulturkreisen herrschende Verständnis der Berge als ein Teil der Natur und des Bergsteigens als einer körperlichen und mentalen Herausforderung, ist wohl erst eine Frucht der Neuzeit. Noch im Mittelalter galten Berge als gefahrdrohende, das Fortkommen hemmende Urgewalten, denen man besser fern blieb.

Alboin Alpen Nebel - Katrin von Mengden Brecker Blog
Alboin Alpen Nebel

Umso bemerkenswerter ist eine Schilderung aus dem frühen Mittelalter: Der benediktinische Mönch Paulus Diaconus (ca. 725 – 795 n. Chr.) beschreibt in seiner „Historia Langobardorum“ eine Gipfelbesteigung König Alboins auf dessen Zug aus Pannonien (heutiges westliches Ungarn) über die östlichen Alpen nach Italien. Im Jahr 568 n. Chr. soll Alboin auf einen – bei Paulus Diaconus nicht näher bezeichneten – Berg gestiegen sein, um einen ersten Blick nach Italien zu werfen:

»Als nun König Alboin mit seinem ganzen Heer und einer bunten Menge Volks im Grenzgebiet von Italien angekommen war, bestieg er einen Berg, der jene Gegend überragt, und betrachtete von dort aus ein Stück Italien, soweit sein Auge reichte.«

(Paulus Diaconus, Geschichte der Langobarden – Historia Langobardorum -, herausgegeben und übersetzt von Wolfgang F. Schwarz, Darmstadt 2009, Seite 163 Rn 8)

Alboin Alpen - Katrin von Mengden Brecker Blog

Es ist der erste bekannte mittelalterliche Bericht einer freiwilligen Bergbesteigung. Charakteristisch für das überkommene, mythische Verständnis der Berge ist es, dass die Besteigung dem König vorbehalten bleibt und einem besonderen Zweck – dem biblisch angehauchten Blick ins „gelobte Land“ – dient. Und doch rückt Alboin die Möglichkeit einer profanen „Gipfeltour“ ins Bewusstsein der Menschen und Paulus Diaconus kann bis auf Weiteres für sich in Anspruch nehmen, in seiner Langobardengeschichte im achten Jahrhundert den ersten – wenn auch kurzen – „Bergsteigerbericht“ verfasst zu haben.

Alboin Alpen Abendsonne- Katrin von Mengden Brecker Blog

 

Katrin von Mengden-Breucker & Marius Breucker

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Heilig und hoch – Jon Krakauer über die Grenzerfahrung Mount Everest | Bergzitat.de

Man muss nicht gleich in Superlativa verfallen, um dem Mount Everest besondere Bedeutung beizumessen. In ihm spiegelt sich und kulminiert wie in einem Brennglas das Verhältnis des Menschen zum Berg: Seit Jahrtausenden und bis heute als heilig verehrt, führten Forscherdrang und neue Messtechniken im 19. Jahrhundert zu seiner „Entdeckung“ als höchster Punkt der Erde.

Quelle: Heilig und hoch – Jon Krakauer über die Grenzerfahrung Mount Everest | Bergzitat.de

 

Katrin von Mengden-Breucker & Marius Breucker

Paulus Diaconus über die Bergbesteigung des Langobardenkönigs Alboin 568 n. Chr. | Willkommen auf Bergzitat.de

Paulus Diaconus über die Bergbesteigung des Langobardenkönigs Alboin 568 n. Chr.

Paulus Diaconus - Über die Bergbesteigung des Langobardenkönigs Alboin

»Als nun König Alboin mit seinem ganzen Heer und einer bunten Menge Volks im Grenzgebiet von Italien angekommen war, bestieg er einen Berg, der jene Gegend überragt, und betrachtete von dort aus ein Stück Italien, soweit sein Auge reichte. Dieser Berg wurde der Überlieferung nach aus diesem Grund von da an Berg des Königs genannt.

Quelle: Paulus Diaconus über die Bergbesteigung des Langobardenkönigs Alboin 568 n. Chr. | Willkommen auf Bergzitat.de

 

Katrin von Mengden-Breucker & Marius Breucker